14 Juni 2017

Musik und Tön

Heute: Windschatten



Ick fahre ooch manchmal mit dem fahrrad. Janz schön oft. Also: Janz schön oft fahre ick manchmal mit dem fahrrad. Und wenn ick mit dem fahrrad unterwegs bin, denn habe ick dit eilich. Meine frau susanne sacht denn immer: "Du musst die Schallmauer nicht durchbrechen! Jedenfalls nicht mit dem Fahrrad!"

Dit sacht sie jedet mal. Vülleicht hat se da irjendwie recht. Aba ick habs eilich! Wenn ick mit fahrrad unterwegs bin, denn kenne ick nur die zustände 'schnell' und 'tot'. Mit dem fahrrad muss ick nämlich keen parkplatz suchen und sowat.

Und ick fahre jerne schnell. Mit 'schnell' meine ick: Wenn mich wer überholt, denn sitzt der in nem fluchzeuch. Eener uf nem fahrrad soll ruhich mal versuchen, da bin ick sehr jespannt.

Neulich kommt aba so eener. Ick bemerke nen schatten hinter mir. “Jibste eben mal n bisschen gummi” denke ick. Der bleibt dran. An der ampel sehe ick: Der tüp is vülleicht jenauso alt wie icke, also ooch nich mehr janz neu. Aba in volle profimontur, so fahrrad-clown: Atmungsaktive kleidung, carbonrahmenfahrrad mit achtunddreißich gänge, leichtbaurucksack, helm.

Helm-Radfahrer! Wer mit helm radfährt hat mit dem leben abjeschlossen. der besteht nur noch aus angst und nich mehr aus freude! Natürlich is dit sicherer, wenn ick mit helm unter nen abbiegenden laster jerate, schon klar. Wenn der zwanzichtonner endlich zum stehen kommt, denn is allet von mir matsch, außer dem helm.

Also, fährt eener mit helm hinter mir, janz knapp, kann sojar janz jut mithalten. Nich schlecht für sein alter. Nach ne weile dämmert mir: Der fährt nich rad - der saugt windschatten! Oijoijoi, wie tief kann een erwachsener mensch sinken!

Mein normaler spruch in so ne situation is: "Versuch doch erstma, dich in meinem windschatten zu halten!"

Kann der, immerhin. Der wind kommt ja ooch von vorne, und dit is richtijer gegenwind, nich bloß een bisschen fahrtwind. Schade. Meine antiquität is für so ernste rennen leider nich jemacht, torpedodreigang, 26er-räder, dit fahrrad wird nämlich diesen sommer fünfzich jahre alt. Der tüp mit dem helm sitzt uffm achtunddreißichgang-renner.

Ick jebe nochmal ordentlich gummi, aba so kann ick den nich abschütteln. Der saugt windschatten auf profesionellem niveau. Vülleicht dreißich zentimeter abstand zwischen seinem vorderrad und meinem antiken rücklicht. Fahrn wir hier im wallonischen kreisel?

... dit is ne technik ausm profiradsport, windschattenfahrn, da wird dit so jemacht - is aba zwischen die beteilichten ooch so abjesprochen. Zwischen uns nich, also: dem alten knacker aus meinem jahrgang und mir. Da werde ick eigen. Wieso soll ick nem freitzeitler mit helm windschatten spenden? Ick steige in die eisen.

... für die auswärtije leserschaft: Ich führe eine Vollbremsung durch...

Der tüp rumpelt mir hinten druff. "Was soll das?!?"

Icke, immerhin der anjefahrene: "Wat soll wat?"

"Warum bremst du denn?"

"Muss ick ab jetz jedet mal erklären, warum ick bremse, wenn ick bremse?"

"Du siehst doch, dass ich hinter dir fahre!"

"Wat? Wieso fährst du denn so dicht hinter mir?"

"Das ist ... das ist ... wegen ..."

"...jaaaa?"

"Weil - da ist doch Windschatten!"

"MEIN windschatten?"

"Ja!"

"Also der windschatten, den ick kraft meine anstrengung erzeuge und du nich?"

"Äh, ja."

"Aha."

"Aber ... der Windschatten ist doch da!"

"Der is nur da, weil icke den mache, oder? Und wenn ick bremse, nich mehr."

"Äh, ja."

"Hm. Wenn du bei hohem tempo in dreißich zentimeter abstand hinter wem herfahren willst, lernste vülleicht erstma radfahren."

"Also, hörmal!"

"Oder du sachst dem eben: 'Hallo, ich bin ein geborener Schnorrer, und ich würde gerne ein wenig von deinem Windschatten profitieren, ohne mich selbst anzustrengen!' "

"Also, hörmal...!"

"Is dit nich der richtije text?"

"Das ist doch ganz etwas anderes!"

"Wo?"

"Was wo?"

"Wo is dit wat anderes? Du bist echt schwer von capé, wa? Sage mal - wat fürn hirn willst du mit dem helm eigentlich schützen?"

"Du kannst doch nicht einfach hier bremsen! Einfach so!"

"Und wahrlich, ick sage dir, dit jeld für den helm war rausjeworfen - da is keen hirn zu schützen. Die kohle für dit teure fahrrad wahrscheinlich ooch."

"Spinner!" sind die letzten worte, die ick von dem tüpen höre. Denn rollt er unbeholfen vorbei, überquert die ampel bei rot, biecht rechts ab und braust alleene davon. Ohne windschatten. Also ziemlich langsam.

Ick hätte jerne jesehen, wie der so alleene zurechtkommt, aba mein weg führt leider jeradeaus weiter. Und außerdem hab icks eilich!

06 Juni 2017

Ausflug (II)

oder: Was noch geschah


Natürlich benutzen wir die Boote manchmal auch bestimmungsgemäß, also zum Segeln. Manchmal. ¹

Die Fotos sind in Colico am Nordende des Comer Sees entstanden:






²




¹ man kann aber auch ganz gut Bier drauf abstellen

² die Sonnenbrillen gehen doch auch als schwarzer Balken durch, oder?

01 Juni 2017

Ausflug

Die Segelsaison läuft auf Hochtouren. Falls sich jemand fragt, was wir unter einem “Ausflug mit dem Boot” verstehen - das hier etwa:













06 Mai 2017

Menschen - Leben - Tanzen - Welt

It’s a dirty job
but someone’s got to do it!
Bekannter Songtext

Was soll man dazu sagen? Außer bewundernd anzuerkennen, dass die wichtigste deutschsprachige Medienkritik von einer kleinen unterfinanzierten Spartensendung des verschnarchten öffentlich -rechtlichen zweiten Programmes zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt wird?

Zum Dank für die gründliche Analyse und allein schon den Fleiß, der da drin steckt, wird hier der ganze Ausschnitt aus dem Neo Magazin Royal verlinkt:

 

An sich wird im Video ja alles wesentliche gesagt, aber auch die Erläuterung auf YouTube ist schon ziemlich erhellend:

Uff. Der ECHO - der wichtigste Preis der sehr guten deutschen Musikindustrie - wird leider auch in diesem Jahr wieder verliehen. Wie zu erwarten, regen sich alle auf: FREI.WILD sitzen in der ECHO-Jury, die Onkelz sind sogar nominiert – es ist alles noch mehr Nazi, noch rechter, noch schlimmer als in den Jahren zuvor.

Dabei sind die deutschnationalen Norditaliener von FREI.WILD und die Geh-Deinen-Weg-auch-wenn-er-falsch-ist-und-alle-Dich-scheiße-finden-Rock-Onkelz zwar das offensichtlichste, nicht aber das eigentliche Problem des ECHO und der deutschen Musikindustrie.

Wir müssen reden – über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, über „einen von 80 Millionen” sowie seine Kunst und das große Missverständnis in der deutschen Popmusik.

21 April 2017

Assoziationskern

Nahezu kommentarlos wird heute dieser Filmausschnitt im Blog veröffentlicht. Möge jeder denken, was er will:

via EnglishRussia

(besonders ergiebig, wenn man kein Russisch spricht)

16 April 2017

Beweis

Die Serie Neid, Gier, Geiz umfasste bislang hauptsächlich theoretische Wehklagen und Abhandlungen. Hier beginnt nun auch der praktische Teil - weniger romantische Gemüter würden es vielleicht als “Beweis” bezeichnen.

Vorrede:

Eine der Grundlagen von Wohneigentum ist, dass sich Wohnhäuser mit mehreren Parteien drin schlecht teilen lassen. Man kann ganz schwer sagen, wo der Anteil des einen endet und der des Nachbarn anfängt. Weil der Gesetzgeber aber nun einmal Wohneigentum unbedingt fördern möchte, tut er es trotzdem und nimmt eine Abgrenzung vor.

Das geschieht derart, dass zuerst eine Eigentümergemeinschaft gebildet wird. In dieser wird man Mitglied, hat Mitspracherecht und muss auch mitbezahlen, wenn die Gemeinschaft etwas zu bezahlen hat.

In der Praxis ist so eine Eigentümergemeinschaft natürlich nur selten ein Zusammenschluss gutwilliger Menschen mit gleichen Zielen. Sondern eine Zwangsgemeinschaft von Leuten mit höchst verschiedenen Bestrebungen und Idealen. Das beginnt bei Sauberkeit, vermeintlicher Ordnung, Geräusch, und reicht bis zu sehr unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten.

Um ein Mehrfamilienhaus überhaupt aufteilen zu können, werden alle Teile, die nicht einfach einem einzelnen Eigentümer zugeordnet werden können, dem Gemeinschaftseigentum zugeschlagen. Dies betrifft zuerst natürlich alle tragenden Bauteile: Wände, Decken, Fundamente, aber auch Fassaden, Dächer, Wärmedämmung oder Fenster. Und Balkone.

Zum privaten Teil jedes einzelnen gehören nichttragende Wände, Badausstattung, alle inneren Wandoberflächen und Bodenbeläge. Auch die Beläge des Balkons.

Vorredeende.

Wer Wohneigentum kauft, legt meist eine sechsstellige Summe an. Man darf vermuten, dass vor einer solchen Investition die meisten Menschen den Kaufvertrag genau durchlesen. Heißt: Ein Wohnungseigentümer weiß in der Regel genau, was er da macht. Es ist auch wirklich nicht so schwer.

Aber die Faustregel sagt: “Auf zehn Eigentümer immer mindestens ein Arschloch!”

Und hier nun ein schönes Beispiel: So klar wie Kloßbrühe gehören Balkone zum Gemein­schafts­eigentum. Das ist bereits seit der Erfindung des Wohneigentums der Fall - wenn nicht sogar seit der Erfindung des Balkons.

Aber in fast jeder Eigentümergemeinschaft ist einer, der es nicht glauben will und stänkert. Obwohl er ausdrücklich genau das mit seiner Unterschrift auf dem Kaufvertrag bestätigt hat.

Hier also ein Dachbewohner, der keinen eigenen Balkon hat und deshalb denkt, das er sich vor der Zahlung drücken könne¹:

Üblicherweise haben Dachwohnungen aber Terrassen, welche erheblich aufwändiger herzustellen sind als Balkone, also: Teurer. Dieser hier will so etwas natürlich nicht wissen - und das kommt gar nicht so selten vor.

Eine leichte Retourkutsche der übrigen Eigentümer wäre gewesen, wenn sie den Mann in Zukunft alle Dachdecker- und Wärmedämmarbeiten hätten alleine bezahlen lassen, weil er ja der einzige mit einem Dach ist.

 

 

 


¹ stammt aus dem Immobilienteil des Tagesspiegel vom Wochenende

31 März 2017

Eigentum

Serie "Neid, Gier und Geiz" (3)

Kenne immer deine Rechte
und immer die Pflichten der anderen!
Deutschland 2016
 
“Fußball und Eigentum
bringen das schlechteste
im Menschen zum Vorschein”
persönlicher Zitatenschatz

Um Steuern zu sparen, kaufen die Leute in Deutschland, gerade in Berlin, zunehmend Eigentumswohnungen. Also: Um Steuern zu sparen tun viele völlig abwegige Dinge - so unsinnig es auch sei. Beispielsweise einen fest umgrenzten und persönlich zugeordneten Teil einer Einheit kaufen, die nie dafür gedacht war, in so abstrakte Einzelteile mit verschiedenen Eigentümern aufgeteilt zu sein. Und auf Lebenszeit Mitglied einer Eigentümergemeinschaft werden, deren charakterliche Eignung überhaupt nicht absehbar ist.

Die wenigsten können die Wohnung in bar bezahlen, die gesparten Steuern werfen sie statt dessen lieber einer Bank für die Finanzierung in den Rachen. Dort kommt das Geld wenigstens nicht der Allgemeinheit zu gute, sondern einem besonders angesehenen und förderungswürdigen Teil der Bevölkerung. Außerdem ein paar Maklern, Notaren und Bauträgern, die sich dieses Einkommen sicher redlich verdient haben.

Den Käufern und Möchtegernsparern ist irgendwo schon klar, wie unsinnig das ist, deshalb kommen sie in der Regel mit der Begründung, sich "etwas für das Alter" zu schaffen. Bis dahin zahlen einige für ihre Wohnanlage in aufstrebender Gegend mehr Wohngeld, als anderswo - in weniger aufstrebender Lage - an Miete fällig würde. Das Wohngeld dient nur für die regelmäßigen  Kosten des Gebäudes und läuft zusätzlich zur Finanzierung. Aber man muss ja auch Opfer bringen!

Käufer von Wohneigentum suchen vor allem Sicherheit. Sie werden witzigerweise Mitglied einer Eigentümergemeinschaft, der bei einem normal großen Haus wenigstens zwei Querulanten angehören. Faustregel: "Auf zehn Eigentümer kommt immer mindestens ein Arschloch!" Einer, der immer strikt auf seine Rechte pocht, kleinlichste Forderungen stellt, keine Nachsicht kennt, aber leider auch das Geld die Rechtschutzversicherung hat, um seine Forderungen anwaltlich einzuklagen. Sowie die erforderliche Zeit und Geduld. Der seitenlange Briefe schreibt, die aufgrund der Rechtslage leider bei den Versammlungen verhandelt werden  müssen. Der aber auch nicht verkaufen und ausziehen will, weil "es ihm so gut gefällt". Und weil es sein Recht ist.

Oft ist es so, dass ein einzelner Miteigentümer sinnvolle In­stand­haltungs­maß­nah­men blockieren kann, weil ihm das zu teuer erscheint. Unterdessen sind alle anderen der Ansicht, gerade DER hätte doch genug Geld. Er will sich aber nicht gern davon trennen.

Es kommt jedoch auch vor, dass einzelne Eigentümer Baumaßnahmen fordern, die nur ihren Einzelinteressen dienen, jedoch von der Gemeinschaft bezahlt werden müssen. Doch doch, das ist möglich, beispielsweise weil das Dach schlecht gedämmt ist, aber jeder seine eigene Heizung hat. Dann müssen einige Mitglieder der Gemeinschaft leider eine neue Hypothek für die Dachdämmung aufnehmen, damit die Bewohner der Dachwohnungen Heizkosten sparen können.

Aber damit sind wir ja auch schon wieder beim Steuernsparen. Es lohnt nur für diejenigen, die in nennenswertem Umfang Steuern zahlen müssten - also die mit den hohen Einkommen. Etliche von denen fahren auf öffentlich finanzierten Straßen. Das sind die Straßen, die von ihren nicht abgeführten Steuern errichtet und unterhalten werden sollen.

Sie schicken ihre Kinder zudem gern auf öffentliche Schulen. Wenn deren Qualität allerdings zweifelhaft erscheint - zu wenig Lehrer, zu schlechte Ausstattung - kommt das Kind auf eine Privatschule. Diese müssen die Steuersparer dann zwar selbst bezahlen, aber auch nur teilweise. Sogar Privatschulen haben leider Anspruch auf öffentliche Zuschüsse.






edit nach anerkanntem Einwand. Mehr dazu später auf diesem Kanal

10 März 2017

Was ich gestern abend getan habe

Der Große Bloguator™ ist aus dem Alter für illegale Aktionen zur Stadt­bild­verschönerung nicht nur endgültig raus. Sondern war eigentlich auch nie mutig genug dafür - “keene Traute”, wie der Fachmann für Berlinkunde so schön sagt.

Gleichzeitig ist der Große Bloguator™ jedoch Freund von allen möglichen künstlerischen Äußerungen, insbesondere dann, wenn sie ein wenig improvisiert sind oder nicht für die Ewigkeit gedacht, beispielsweise auch Graffiti oder Streetart.

Hm? Äh, ja, genau … gestern Abend lud der Segelkollege am von ihm neu errichteten Haus zur Verschönerung der Fassade mit eigens dafür ausgedruckten kryptischen Parolen aus dem Goldfisch-Universum. Also, ziemlich wenig illegal, und nicht einmal so besonders provisorisch.

Das sah dann etwa so aus:




… beachte auch die Versorgung mit fränkischen Getränken …



... letztlich ergab sich folgendes


und nach dem Aufgebrauch der fränkischen Getränke das:


Nun fragen sich die beteiligten, wie der übrige Friedrichshainer Streetart-Kosmos darauf reagieren wird.

Tja.

02 März 2017

Amos Poe

Oah, ich bin dann mal weg! Ich habe nämlich gestern den Tumblr von Amos Poe¹ entdeckt. Bei dem handelt es sich um einen früheren Regisseur, den kaum jemand kennt. Er könnte heute so berühmt sein wie Jim Jarmusch, mit etwas Ehrgeiz.

Aber Berühmtsein interessierte ihn anscheinend nie. Oder es mangelt ihm an Ehrgeiz. Oder c.) sonstiges. Jedenfalls ist er nicht berühmt. Dabei sollte er. Er erzählt melancholische, lakonische und poetische Geschichten mit einer Spur krausem Humor.

Hm? Ja, das waren jetzt ganz schön viele Superlative griechische Fremdwörter.

Halten wir fest: Bei Amos Poe liegt man goldrichtig, wenn man kein Ergebnis erwartet. Und deshalb ist er einer der großen Helden des Großen Bloguators™. Ab jetzt hier rechts in den Links!



“I have just received the following telegram from my generous Daddy. It says, ‘Dear Jack: Don’t buy a single vote more than necessary. I’ll be dammed if I’m going to pay for a landslide.’ “
– John F. Kennedy
 
 
 
 

er hat auch eine richtige Website: http://www.amospoe.com

27 Februar 2017

Design gestern und heute

So, das hier wird ein Experiment. Wieder mal. Naja, dieses Blog ist ja immer ein Experiment. Experimentell ist in diesem Fall das Bildformat, das hoffentlich alle mobilen Bildschirme sprengen wird.

Um das hier gehts dabei:



Bei der Google-Suche nach dem Oldsmobile Golden Rocket, einem ConceptCar von 1956, erhielt Der Große Bloguator™ nämlich das folgende Ergebnis. Das gesuchte Automobil findet sich in der obersten Reihe den obersten Reihen - aber beachte den Rest!

Aha. Es sollte ein Experiment werden - und so kam es dann auch:
Blogger verkleinert die Vorschau automatisch aufs grauenhafteste, so dass das Bild in
Originalgröße mit irgendeinem Trick eingesetzt werden muss. Mal sehen...

…öhm, das ist … interessant! Unten ist das Originalbild, in scharf, oben  wurde es vor dem Hochladen exakt auf die Blogbreite verkleinert. Hm, das ist vor allem ein Experiment im Kampf mit der Blogger-Bilddarstellung.



16 Februar 2017

Ein Artefakt

9. Das Fehlen des Bindeglieds

Einige Jahrhunderte später sank infolge des Klimawandels der Wasserspiegel. Der nicht einmal so kleine See trocknete irgendwann vollständig aus.

Der sumpfige Boden wurde erst von Wildschweinhorden und später von Zebraherden und noch anderen Tieren umgegraben und lose Knochen immer weiter verstreut.

Vom Eislaufunfall blieben so nur die Schlittschuhe und die paar Knochen darin. Deren Verwendung konnten die jungen Archäologen beim besten Willen nicht nachvollziehen, da in Europa seit über zweihundert Jahren kein See mehr zugefroren war.


- finis -


15 Februar 2017

Ein Artefakt

8. Abgeschlossene Vergangenheit

Wenige Jahrhunderte vorher.

Mario wankte ein wenig in Richtung der Bank am Ufer. Nach der heftigen Geburtstagsfeier vom Vorabend hatte er eigentlich erst seinen Kater ausschlafen wollen. Dabei war er für nachmittags mit seinen Kumpanen hier am Seeufer zum Eislaufen verabredet und traf nun erst kurz vor Sonnenuntergang ein.

Die Glühweinstation drohte in Kürze zu schließen, aber Mario wollte dringend den Spaß seiner Freunde aufholen, also Ihren Trunkenheitsvorsprung. Er stürzte hastig zwei Glühweine hinunter „'türlich mit Schuss - was denn sonst!?! Sei bloß nicht geizig damit!" wies er den Inhaber der kleinen Imbissbude an. Außerdem war er mit der Tradition des Konterbiers aufgewachsen¹.

Dann stolperte er leicht zu der Bank und schnallte an. In der Dämmerung konnte er seine Freunde von fern auf dem Eis hören, aber kaum noch sehen. Er stakste wackelig auf das Eis, stürzte zweimal und brauchte eine zeitlang, bis er sich an die gleitende Bewegung gewöhnt hatte. Er fluchte still und beschimpfte den rutschigen Untergrund. Nun begann er, seine Freunde zu suchen, fand sie aber in der Dunkelheit zwischen verschiedenen anderen Gruppen von Eisläufern nicht.

Deshalb vergrößerte er seinen Suchradius, immer weiter vom Ufer weg. Als er die anderen Eisläufer noch einmal rufen hörte, war er bereits mitten auf der ganz zuletzt überfrorenen Fahrrinne. Das dünne Eis unter seinen Füssen gab nach. Sein letzter Gedanke war “Mit Schlittschuhen an den Füßen schwimmt es sich schlecht!”

Er war schon lange versunken, als man das Loch im Eis fand. Nach einem Tag gaben die Taucher die Suche auf „Was der Moorgrund hier mal verschluckt hat gibt er nicht wieder her!"

 

 

 → weiter zum letzten Teil 9


¹ muss man das der gebildeten Leserschaft erklären? Nein, oder?

14 Februar 2017

Ein Artefakt

7. Klimawandel und Gewohnheit

Als die Archäologen nach ihrer Unterhaltung abends nach Hause liefen, war es so kühl geworden, dass man seine Brust mit einem Hemd bedecken musste - aber das war im Januar nicht ungewöhnlich.

Die Fahrbahn der Straße war aber immer noch so heiß, dass man sich leicht die Fußsohlen hätte verbrennen können. Daher blieben Fußgänger auf den Bürgersteigen und Übergängen, schon wegen des gekühlten Belages. Ein Leben ohne klimatisierte Innenräume oder gekühlte Freibäder konnten sie sich nicht vorstellen.

 

 

→ weiter zum 8.Teil

13 Februar 2017

Ein Artefakt

6. Präzises Unwissen

Noch mysteriöser wurde die Sache, als der Bericht der Anthropologen eintraf, der die Knochen als „menschliche Fußknochen" identifizierte. Kannibalismus schied im Europa des späten 20. Jahrhunderts wahrscheinlich doch aus.

Die Forscher hatten in den verbliebenen historischen Aufzeichnungen nie etwas von religiösen kannibalischen Fußfetischisten gelesen - wollten dies dabei aber dennoch nicht ganz ausschließen¹. Sie erwogen, dass vielleicht den besiegten Feinden die Füße abgehackt wurden, so dass diese auf den Knien nach Hause rutschen mussten.

Es gab eine Reihe weiterer Spekulationen, aber keine überzeugende Erklärung. Nach einer angemessenen Zeitspanne verschiedener Untersuchungen und Hypothesen gab man die Artefakte in ein Museum, wo sie in einem speziellen Saal in zwei verschiedenen Vitrinen ausgestellt wurden.

 

→ weiter zum 7. Teil


¹ siehe in diesem Zusammenhang vielleicht auch hier:
→ “Reliquien  - über die Wahrheit des Glaubens”

12 Februar 2017

Ein Artefakt

5. Klassifikation

Die Forscher versuchten nun, sich aus diesen vereinzelten Informationen ein Bild zu machen. Sie dachten an eine Zeremonie, bei der ein Priester in einem Boot auf den See hinausfuhr, Gebete sang und die Knochen zu Ehren der Gottheit in dem Gefäß schüttelte, wobei die Lasche zugleich verhinderte, dass die Strahlen der feindlichen Sonne darauf fielen. Das verschlungene Band - tatsächlich nur ein einziges langes Band, das im Laufe der Zeit gerissen war - war anscheinend ein Symbol der unendlichen Zeit, oder der Fruchtbarkeit, oder der unendlichen Fruchtbarkeit der Zeit. Eine Arbeitshypothese.

Der Gegenstand war in keiner Richtung achsensymmetrisch, aber etwa spiegelsymmetrisch zu einem zweiten, später in der Nähe gefundenen Artefakt, wodurch die Sache nicht einfacher wurde.

Die Forscher erörterten eine Reihe von Ritualen in einer sehr kurzen Zeit heftiger Umbrüche, wobei die gefundenen spiegelsymmetrischen Artefakte die Anfangs- und Endpunkte der Ritualreihe dargestellt haben mochten. Denn für eine regelmäßig wiederkehrende Reihe von Ritualen würde man sicher nicht nur zwei symmetrische Kultgegenstände verwendet haben. Man dachte über eine Religion - eher eine endzeitliche Sekte nach - die den Untergang kommen sah und dies in einem Ritus verdeutlichte. Diese Überlegung führte allerdings genau nirgendwo hin.

Vorher suchte man bereits am Himmel. Die These lautete: Es müsste ein überaus seltenes astronomisches Ereignis gegeben haben, das innerhalb sehr weniger Jahre zweimal auftrat, davor und danach aber nie wieder. Also forschten bereits verschiedene Himmelskundler nach einem solchen Ereignis um das Jahr 1990 herum. Sie fanden nicht das geringste.

 

 

→ weiter zum 6. Teil

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