11 Januar 2017

Zen

…oder die Kunst, einen Kurzfilm anzusehen.

VOLLBILD!

Adrift von Simon Christen auf Vimeo

06 Januar 2017

Typisch für was?

Wahrscheinlich ist das gar keine typisch deutsche Geschichte. Jedenfalls ist sie nicht typisch für Berlin - trotz aller Muffeligkeit trifft man in Berlin mindestens ebenso viele hilfsbereite Menschen wie Hohlkörper.

Gestern geschah wieder so eine Sache wo man sich denkt: Typisch! Für was auch immer.
Im Eisstadion haben sie eine Kasse wie früher in der Bank: Ein Häuschen rundum aus Panzerglas, Gegensprechanlage, Schublade zum Gelddurchreichen.

Regelmäßig gibt es Gezeter zwischen jungen Besuchern und den Kassiererinnen, die die Anforderungen an Schüler-/Studentenausweise so eng wie nur irgend möglich auslegen. Man kann da viel falsch machen: Falscher Ausstellungsort, falscher Wohnort, leider nur bis gestern gültig, zulässiges Höchstalter letzte Woche überschritten, Unterschrift der Stellvertreterin des Direktors unleserlich.

Wohlgemerkt: Schüler nicht etwa ganz kostenlos rein, sondern haben nur Anspruch auf ermäßigten Eintritt.

Der Große Bloguator™ ist aus dem Alter für Schülerausweise definitiv raus und froh, dass er sich dieses Theater nicht mehr antun muss. Fremdschämt sich aber dennoch jedes mal über das Kassenpersonal, das keine Kleinlichkeit auslässt.

Gestern nun zahlt der Große Bloguator™  zuerst passend die Eintrittskarte und stellt anschließend fest, dass er nun keine 60ct Kleingeld mehr für die Garderobe hat. Weil an der Garderobe alle nur mit kleinen Münzen zahlen, haben sie dort kaum Geldscheine zum Herausgeben. Aber hier an der Kasse liegen reichlich, sie werden aufrecht stehend in einer offenen Registratur sortiert: Schöne Bündel 5er, 10er und 20er-Scheine. Durch das Panzerglas gut zu sehen.

Kommt der Große Bloguator™ auf eine völlig abwegige Idee: “Ach, können sie mir bitte noch einen Schein wechseln?”

“Ja.”

Der Große Bloguator™ nimmt seinen Schein aus dem Portemonnaie¹ und sobald die Kassiererin des Scheins ansichtig wird ruft sie empört: “Aber keine 50er!”

“Bitte?”

“50er kann ich nicht wechseln! ”

“Öhm, sie stehen da vor bündelweise Geldscheinen und wollen keinen 50er kleinmachen können?”

“Nein, 50er kann ich nicht wechseln! Unten haben sie auch Geld!

Sie meint den Schlittschuhverleih eine Etage tiefer, bei dem man sich immer anstellen muss und den man wegen der selbst mitgebrachten Schlittschuhe gar nicht aufsuchen wollte.

“Warum soll das nicht gehen? Da liegt doch genug Wechselgeld?”

“Nein, 50er kann ich nicht wechseln! ”

Dabei sollte es dann bleiben. Dass jede weitere Diskussion sinnlos ist, weiß jeder, der das Theater um einen Schülerausweis einmal hautnah miterlebt hat.

Am Schlittschuhverleih ist dann zufällig nur eine kurze Schlange und sie wechseln den 50er lächelnd und ohne jede Nachfrage.

Hm?

Auch in Berlin gibt es sehr viele hilfsbereite Menschen, aber es gibt eben auch gedankenlose Knalltüten. Die Eisbahn ist trotzdem sehr schön und wer den Großen Bloguator™ einmal persönlich antreffen will, hat im Winter immer donnerstagabends im Horst-Dohm-Eisstadion gute Chancen.








¹ was glaubt der*die geschätzte Leser\in wohl, wie lange der Autor über die Richtigschreibung eines solchen Wortes nachdenken muss?
Richtig: Gar nicht.

05 Januar 2017

Charakter

Kiki Thaerigen  aus Hamburg macht hübsche Zeichnungen. Und ist zudem sehr produktiv. Da finden sich Webcomics, Twitter-Accounts, Instagram, ein Blog und noch andere Sachen. Hier wird erstmal nur auf  “die Webseite” gezeigt und der Instagram verlinkt - irgendwo muss man ja anfangen.

Die geschätzte Leserschaft kann sich von da aus weiter durchhangeln.



Nee, halt, ich korrigiere: Es lag wohl am Seiteneinstieg, tatsächlich gibt es auch einfache eine Domain namens https://e13.de/ und dort erfährt man den ganzen Restauch irgendwas … kann sich ein Bild machen.

03 Januar 2017

Das Geräusch einer herunterfallenden Kontaktlinse

Eine herunterfallende Kontaktlinse ist echt leise. Wenn man bedenkt, dass eine herunterfallende Kontaktlinse vielleicht weniger als ein Zehntel Gramm wiegt, kann man ermessen, wie viel Geräusch beim Herunterfallen so eines weichen Gegenstandes zu erwarten ist: Nämlich gar keins.

Man hört aber doch etwas.

 

 

 

… vielleicht bin ich aber auch nur besonders empfindlich.

21 Dezember 2016

Ereignisse


Zuerst einmal: Den Opfern des Anschlags vom Montag und ihren Angehörigen gilt mein ganzes Mitgefühl!

Der Große Bloguator™ kann von seiner Wohnung aus die Hochhäuser am Breitscheidplatz sehen, lebt also nicht allzu weit entfernt davon. Am Montag fuhr hier in Berlin ein LKW auf dem Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge und tötete oder verletzte zahlreiche Besucher.

Seither geht es hier zu wie in einem Monty Python Film. Oder als ob Seehofer, der schamlose Hetzer von der CSU, persönlich die Ermittlungen leitet.

Ein LKW fährt in eine Menschenmenge. Die Menschen reagieren besonnen, leisten erste Hilfe, bewahren  Ruhe. Der Fahrer des LKW ist am Tatort nicht auffindbar. Ein anderer Mensch liegt erschossen in der Kabine. Weniger als eine Stunde später wird ein Verdächtiger verhaftet. Unbewaffnet, weit weg vom Tatort.

Sofort heißt es, dass es sich um einen Anschlag gehandelt habe. Und selbst­verständlich ist damit ein islamistischer Anschlag gemeint. In Nizza gab es im Sommer ein ähnliches Attentat mit einem LKW auf eine Menschenmenge.

LKW, Menschenmenge - sofort schließen aus diesem eindeutigen Muster einige Politiker auf islamistischen Anschlag.

Während die islamistischen Attentäter aber häufig Märtyrer werden wollen und zu diesem Zweck noch eine Weile wild um sich schießen ist in Berlin der Attentäter abgehauen.

Zufällig sickert dann durch, man habe einen Flüchtling als Tatverdächtigen gefasst, pakistanischer oder afghanischer Herkunft. Dies war deshalb so schnell möglich, weil ein Zeuge ihn verfolgt habe.

“Pakistanisch-afghanisch” - also ein Moslem, alles klar! “Früher schon wegen kleinerer Delikte aufgefallen” - war ja absehbar! “Bestreitet die Tat” - na sicher!

“Wer sich verteidigt klagt sich an!” Alte Erkenntnis der spanischen Inquisition. Oder von Seehofer, weiß man nicht so genau. Der Verdächtige wird mit dem Hubschrauber nach Wiesbaden zum BKA geflogen und dort verhört.

Erst als die Spuren überhaupt nicht zu dem Verdächtigen passen wollen - keine Schmauchspuren, Fingerabdrücke, DNS - wird der Zeuge und Denunziant noch einmal befragt:
“Sagen sie mal - haben sie den Verdächtigen eigentlich aus dem LKW aussteigen sehen?”
“Nee. Aber der sah doch so verdächtig aus! Ich habe den doch bis in den Tiergarten verfolgt!”

Da darf man sicher fragen, ob sie dem nicht mehr Verdächtigen auch für den Rückweg einen Hubschrauberflug spendiert haben? Oder ob er nun selbst zusehen musste, wie er die 600km von Wiesbaden bis nach Berlin zurücklegt.

Heute, mittlerweile zwei Tage später, wird bekannt: Da lag ein Ausweispapier im LKW.

Chef der Ermittlung so: “Wieso findet ihr das erst nach zwei Tagen?”
”Naja, Chef, wissen sie doch, Spurensicherung, Fingerabdrücke und so…”
”ZWEI TAGE FÜR EINE KLEINE LKW-KABINE!”
”Naja, Chef, das war wohl unter den Sitz gerutscht, irgendwie…”

Kein Witz, das haben sie tatsächlich so gesagt. Niemand würde beispielsweise unter dem Sitz nachsehen, wenn er einen Erschossen findet und im Auto nach der Waffe sucht.

Dass das Papier nicht zu dem ersten Verdächtigen passte, interessierte mittlerweile keinen mehr. Hätte man sowieso nicht so schnell überprüfen können, dafür sind Ausweise ja da. Aber jetzt hat man einen neuen Verdächtigen! Der, damit man ihn wirklich effektiv verdächtigen kann, seine Duldungspapiere da gelassen hat und dann abgehauen ist. So sind sie nun mal, die islamischen Märtyrer.

In der Zwischenzeit konnte Horst Seehofer, schamloser Hetzer von der CSU, wieder pauschal alle Flüchtlinge in Europa sowie ihre Schirmherrin, die Kanzlerin, für den Anschlag verantwortlich machen.

Und man wäre nicht sehr erstaunt, wenn als Attentäter und Fahrer des LKW irgendwann in ferner Zukunft ein Nazi aus Freital ermittelt wird. Der aber leider nicht gefasst werden kann, weil er gerade nicht zu Hause ist, als die Polizei bei ihm klingelt, um ihm höflich ein paar kurze Fragen zu stellen.

16 Dezember 2016

Klassische Klassiker

An sich ist die Idee nahliegend … unausweichlich … absehbar …irgendsowas eben. Nämlich, dass nach und nach die Originaltexte der Weltliteratur im Internet zu finden sind. Jedenfalls die rechtefreien. Also: Klassiker.

Für die interessieren sich zwar weniger Leute als für aktuelle Texte. Deshalb fehlt der, hm, “Verwertungsdruck”, also jedenfalls der Vortrieb und das Interesse irgendwelcher Leute.

Wenn man beispielsweise Songtexte unter der Rubrik Poesie einordnet, ist zahlreiche Gegenwartsdichtkunst im Internet zu finden¹. Die kommt einerseits aus Interesse der Fans da hin - andererseits aber auch, weil sich damit Werbung verkaufen lässt, und demnach doch: Verwertungsdruck.

Hm, ähm, wo sollte diese umfassende Einleitung nun wieder hingehen? Ach egal: Jedenfalls gibt es ein deutschsprachiges Portal mit jeder Menge Original-Texten namens Textlog². Es ist zum Zeitpunkt dieses Blogeintrages in mehrere Rubriken unterteilt: Philosophie, Medizin, Belletristik und Wörterbücher.

Und dort finden sich gleich mehrere Favoriten des Großen Bloguators ™ in digitaler Form, d.h. auch leicht nach Zitaten durchsuchbar: Tucholsky, Shakespeare, Poe, Ringelnatz. Und Morgenstern!

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

Wie war (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
möglich, wie dies Unglück, ja -:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in Bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

 

 


¹ dass letztens ein überheblicher weißer Barde aus dem mittleren Westen der USA einen Nobelpreis in der Sparte Literatur erhielt, wollen wir einmal als bedauerliche Randerscheinung stehen lassen

² der Betreiber wohnt(e) übrigens gleich um die Ecke vom Großen Bloguator ™

³ das sehr umfangreiche Archiv wurde ziemlich genau 10 Jahre vor diesem Blogeintrag zum letzten mal aktualisiert. Sehr schade!

15 Dezember 2016

Gedichterei

Der Herr GedichtderherrschendenKlasse Philip Saß soll hier nicht ohne kleine Einführung verlinkt werden: Er verfasst eigene erhellende Gedanken in Reimform. oder verbreitet andere weiter. Als Einstieg hier die Verknüpfung zu einem Poem über die AfD

AfD-Strategiepapier

Andererseits natürlich so überraschend wie bedauerlich, dass sich AfD und Poesie nicht gegenseitig ausschließen.

Der ganze Blog hier oder ab jetzt rechts in den Links unter der Rubrik “Fremdes”.

01 Dezember 2016

Hinweis

Durch einen Zufall geriet Der Große Bloguator™ gestern in eine sehr schöne kleine italienische Bar am Ende der Monumentenstraße, right gegenüber dem Kreuzberg a.k.a. Viktoriapark.

Oder um die Ecke zum Eingang vom Golgatha … ach, der oder die interessierte Besucher\in findet es schon. Liegt in der Monumentenstraße 21 und heißt INCIBUS

 
 
Die haben offenbar nur eine Facebook-Seite, sind aber sonst ausgesprochen  nett und das Essen wie auch der Kaffee sind gut. Das ist doch was, oder?

Barmann ist ein italienischer Punk mit Irokesen und sie gehören wohl zu den Slowfood-Leuten, von denen es um die Schöneberger Rote Insel herum so einige gibt. Hingehen!

25 November 2016

Streik und Ordnung

In die Rubrik Neid. Gier und Geiz fällt vermutlich auch der regelmäßig wiederkehrende Pilotenstreik. Also: Nicht der Streik selbst, sondern die Empörung darüber. Gegenwärtig geht es um die Lufthansa, die sich als Premium-Fluglinie ausgibt.

Viele Mitbürger halten offenbar inzwischen Flugreisen für ein Grundrecht. Einige halten sogar extreme Billigflüge für ein Grundrecht.

Als vor einigen Wochen eine Billig-Fluglinie bestreikt wurde, wurden erregte Menschen als Zeugen herangezogen, die für ein paar Euro einen 600km-Flug gebucht hatten. Man könnte diese Strecke auch ganz bequem mit der Bahn fahren - ein solches Bahnticket kostet aber aus irgendeinem Grund erheblich mehr.

Dass bei bestehender Nachfrage nach Dumping-Angeboten clevere Kaufleute auch ein entsprechendes Angebot machen, scheint ja klar. Es gibt dann auch regelmäßig die Prestige-Frage, wer denn nun den Flug am aller billigsten gebucht hat. Das ist reine Angeberei, hat aber jeder von uns schon erlebt.

Unternehmen können auf Dauer nicht von Dumping-Angeboten leben. Neben den Angebern sitzen wahrscheinlich auch in jedem Flugzeug genug Leute, die einen regulären Preis bezahlt haben. Außerdem werden beim Anbieter Ausgaben gesenkt - koste es was es wolle. Die Technik wird extern scharf geprüft, sonst würden allein wegen technischer Defekte viel mehr Flugzeuge vom Himmel fallen. Aber am Personal kann der Anbieter durchaus sparen - das ist viel schwerer zu kontrollieren: Die Frage, wie viele Personen man für einen Job braucht, und wie ihre Arbeitszeiten dann aussehen.

Das interessiert natürlich den Kunden der Billigflieger nicht. Er regt sich über die absehbaren Folgen auf, die entstehen, wenn die Airline seinen Geiz ans Personal weitergibt.

Im Hinterkopf behalten wir dabei immer, dass die meisten Füge entbehrlich sind: Die Zeitersparnis ist minimal, die Kostenersparnis existiert hauptsächlich wegen versteckter Subventionen. Die Umweltbelastung wird generell ignoriert oder schöngeredet: Leise Düsenflugzeuge.

Nun ist die Lufthansa nicht ganz so ein Billigflieger und daher eben ein Anbieter für Leute, denen Bahnfahren zu volksnah ist. Eine Prestigesache, nichts lebensnotwendiges. Hier ein Kommentar mit dem suggestiven  Titel Die Zeit der Privilegien ist vorbei. Dort rechnet ein Journalist den Piloten ihre Gehaltsforderung vor (Journalist-Hochschulreife-Hochschulabschluss. Ihr wisst noch was ein Oxymoron ist? Genau: Wenn ein Journalist rechnet).

Zitat “Die Piloten fordern für die vergangenen fünf Jahre insgesamt 22 Prozent, die Lufthansa bietet 2,5 Prozent. Das passt nicht.” Dass das nicht passt, sieht wohl jeder. Aber jeder, der nicht ganz so verblendet ist, sieht das schwere Auseinanderklaffen der beiden Seiten bei Forderung und Angebot.

Genau diese Haltung, die Schuld für den Ausfall entbehrlicher Fliegerei allein bei den Piloten zu suchen, passt sehr gut in unsere Zeit von Neid, Gier und Geiz.

Es wird ohnehin zu viel geflogen.

24 November 2016

Jubiläum vs. Punk

Wie ich gestern erst erfahre, feiert meine bevorzugte Radiostation Radioeins heute das 40. Jubiläum des Punk. Also übermorgen. …ach, egal!

Gegen so Feiern ist eigentlich nichts zu sagen - aber alles formale widerspricht halt der Grundidee des Punk, gegen ALLES zu sein.

Ein kleiner Lichtblick dabei: In Kürze will Joe Corre Punk Devotionalien im Wert von 5Mio. verbrennen - ob €, $ oder GBP spielt dabei keine Rolle: Jedenfalls hat das Zeug hypothetisch enormen GELDwert.

Nun hat beispielsweise Der Große Bloguator™ noch nie von einem Typen namens Joe Corre gehört und wird aufgeklärt: Es handelt sich um den Sohn genau der Leute, die mit Punk am allermeisten Geld gescheffelt haben, nämlich Malcolm McLaren und Vivienne Westwood.

Dem Vernehmen nach hat auch Joe Corre bereits ein ziemliches Vermögen erworben. Dabei hat ihm seine Herkunft und allein der Name seiner Eltern sicher sehr geholfen. Außerdem kann einer, der selbst Millionär ist, nur schlecht beweisen, dass er auf alles scheißt, wenn er ein paar hypothetisch wertvolle Dinge verbrennt. Danach ist er immer noch Millionär.

Aber sicher ist das Zerstören von Devotionalien näher an der Idee des Punk als ein Festbankett an der Themse mit Champagner und anschließendem Feuerwerk.

Einige Protagonisten des Punk gehören nämlich längst selbst zum Establishment: Vivienne Westwood hat sich von der Queen adeln lasen. Das ist dieselbe Queen wie in “God save the Queen - the fascist regime”. Nun ja.

Heute, 40 Jahre später, funktioniert das Aufbegehren nicht mehr so einfach. Ein paar abgerissene Klamotten und Sicherheitsnadeln in der Backe hauen niemanden vom Hocker: Jeder zweite ist gepiercet, tätowiert und die Mehrheit trägt stylisch zerrupfte Designerjeans. Wir werden am laufenden Band mit schockierenden Meldungen und Bildern bombardiert. Wer Aufmerksamkeit will, muss daher am besten offensiv menschenfeindlich argumentieren, stumpf rechte Parolen verbreiten oder mit Enthauptungsvideos arbeiten.

Unter diesem Aspekt erscheint der alte Punk als eine geradezu romantische Zeiterscheinung, die leider lange vorbei ist.

23 November 2016

Wucher!

Neinnein, gaaanz anders!

Neben all den freudlosen Predigten muss es hier im Blog hin & wieder doch auch etwas schönes geben. Auf Colossal ist soeben ein wunderbarer Artikel mit wunderbaren Zeitrafferaufnahmen wuchernder Pilze erschienen.

Die sehen sich die geneigte Besucherin und der zufällige Besucher am besten dort an. Hier nur ein eindrucksvoller Teaser:

 

 


aus diesem Anlass noch der Hinweis auf einen Typen aus Japan, der wunderbare Pilzleuchten herstellt, die so zerbrechlich sind, dass er sie nur in seiner Umgebung verkaufen kann: Yukio Takano

…und an dieser Stelle muss die Berichterstattung leider abgebrochen werden, weil Colossal ganz offensichtlich ebensolche Begeisterung für Pilze hegt wie Der Große Bloguator™

Internetverknüpfung

Ich™ denke, dass es gut ist, wenn das VOODOOSCHAAF ab jetzt in der Linkliste erscheint.

 

 

…verdammt, ich finde das Schäfinnen-Bonmot nicht! Muss es erstmal so gehen …

22 November 2016

Neid, Gier und Geiz

Ein großer Teil der Dinge, die in Deutschland zur Zeit so schief laufen, lässt sich mit diesen drei Stichwörtern beschreiben: Neid - Gier - Geiz.

Überrascht stellt man fest, dass ungemein viele Leute, die wirklich alles haben, den Hals nicht voll kriegen können. Neulich die VW-Manager, deren Konzern wegen kriminellen Verhaltens Milliarden verliert, bestanden darauf, dennoch ihre Boni ausgezahlt zu bekommen - sie hätten ja persönlich fast nichts falsch gemacht. Gier.

Das sollte einmal eine Kassiererin im Supermarkt wagen. In demselben Konzern stehen aber ohnehin Leihsklaven neben Festangestellten und bekommen für dieselbe Arbeit die Hälfte.

Oder Neid: Menschen in gesicherten Beschäftigungsverhältnissen, Haus, Auto, die ein paar armseligen Flüchtlingen nicht die Butter auf dem Brot gönnen. Die PEGIDA-Demonstranten, die sich hinter irgendwelchen “Kultur-” und “Religionsargumenten” verstecken. Leute, denen der christliche Glaube zeitlebens völlig egal war und die meist wegen der Kirchensteuer ausgetreten sind, verteidigen nun angeblich das christliche Abendland.

Wenn “Der Islam” als Rechtfertigung nicht ausreicht, werden sie ehrlich und klagen “Die Flüchtlinge kriegen alles bezahlt!”

Oder eben Geiz: Dass man Dinge kauft, die man gar nicht braucht, weil sie vermeintlich “billiger” sind als normal. Sind sie ja nicht. Der prahlerisch beworbene großzügige Rabatt war von dem cleveren Kaufmann längst eingepreist. Oder für dasselbe Geld wurde die Packung kleiner.

Aber das Argument zieht trotzdem. Der meiste Kunde glaubt tatsächlich, dass er “die Mehrwertsteuer geschenkt” bekommt und erwirbt einen dritten Flachbildfernseher für seine jämmerliche Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung, die er ebenfalls nur gekauft hat, weil es dafür Steuervorteil gibt.

Wann ist das so schief gelaufen? Warum schämt sich keiner von denen?

Der Große Bloguator™ kann sich an Zeiten erinnern, in denen man nur solche Sachen kaufte, die man auch wirklich brauchte. Und die man bezahlen konnte. Und an Zeiten, in denen ein Manager vielleicht doppelt so viel verdiente wie ein normaler Angestellter - und nicht das zwanzigfache. Zeiten in denen man zur Miete wohnte und sich nicht mit ebenso neidischen, gierigen und geizigen Miteigentümern herumstreiten musste.

Liegt es wirklich an der damaligen Parole aus der Fernsehwerbung “Geiz ist geil!” Haben das so viele Menschen als neue Ethik verinnerlicht, statt der hergebrachten Religion? Irgendetwas muss passiert sein, es hat in den neunziger Jahren begonnen und entwickelt sich immer noch weiter in der ungünstigsten Richtung.

16 November 2016

Prozent

Schon länger ist die Serie “Neid-Gier-Geiz” geplant, die beschreibt, wie die Deutschen heute so denken und leben.

In diesem Zusammenhang der Einstieg, eine Werbung von PayPal und der Hinweis “Das funktioniert - sonst würde es nicht gemacht”:


Na, gemerkt? Was fehlt?

Genau: Da stehen keine Preise. Da steht nicht einmal, wieviel Geld man spart. Da steht nur, dass man viel spart - IN PROZENT!

Dass so eine Werbung erscheint, lässt einen vermuten, dass sie funktioniert: Dass es der Kundschaft heute gar nicht darum geht, wieviel etwas kostet. Sondern nur noch darum, wie viel man spart - in Prozent.

Jeder Nicht-Kaufmann weiß jedoch, dass man Sachen nur kaufen kann, wenn man auch das Geld dafür hat. Und wenn erst gar keine Preise genannt werden müssen, spielt das Geld doch wohl keine Rolle. Aber warum wollen die Käufer dann sparen?

Tja, liebe Kinder, und hier nennen wir euch nun eine, nein DIE wichtigste gegenwärtige Zeiterscheinung in Deutschland: Neid, Gier und Geiz.

Wer eine andere Erklärung dafür hat, kann sich melden.

15 November 2016

Super

Gestern war ja nochmal Supermond. Das erinnert mich unschön daran, dass meine Kamera scheiße ist … ähem ... schlechte Bilder macht. Hier die Ergebnisse:




Falls es jemand nicht erkennt: Das ist auf dem Tempelhofer Feld.

Weiterer Hinweis

Um das Blog vollzukriegen hier wieder ein paar Empfehlungen aus dem Checkpoint-Newsletter. Kenne beide noch nicht, klingt ganz gut finde ich - auch wenn ich die letzten noch nicht abgearbeitet habe:

Neu in Neukölln: Das Holy Flat in der Lenaustraße 10 (S/U-Bhf Hermannplatz). Kaum ist das vegane Fastfood des Dandy Diners versiegt, werden ein paar Straßen weiter neue vegetarische und vegane "Bowls" aufgetischt. Die Betreiber sind andere, das Ambiente netter und die Schüsseln voller. Zur "Holy Bowl" mit gegrilltem Gemüse und Kichererbsen oder zur "Viva Bowl" mit Süßkartoffel-Streifen, pochiertem Ei, Guacamole und Sour Cream (je 7,50 euro) gibt´s hausgemachte Limo - klingt vielversprechend. Mo-Fr 11.30-21 Uhr

Trinken Altbewährt ist hingegen die Filmkunstbar Fitzcarraldo in der Reichenberger Straße 133 (U-Bhf Kottbusser Tor). Der Laden ist Bar, Club, Videothek und Programmkino zugleich. Hier ist es nicht hip, eher ein bisschen schräg, wie man so unter ausladenden Girlanden sein Bier schlürft. Hat was! Tgl. ab 16 Uhr

 

Zur Einleitung, Entschuldigung & Begründung hier

09 November 2016

Erneut

Schon wieder! Der Link in diesem Artikel musste schon wieder aktualisiert werden.

[x] done!

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