28 Juli 2016

Demo

Nach der Demonstration der Besorgten Bürger und der Ansprache von Alexander Gauland grölten die Patrioten "Kauft nicht beim Moslem! Wir sind das Volk!"

Dann bekamen sie Hunger. Außer dem Döner-Imbiss gab es aber in der kleinen Ortschaft nur noch weniges, das sich  halten konnte. Der Reporter von der überregionalen Zeitung fragte aufmunternd einen, der ihm auf den ersten Blick nicht ganz so unsympathisch erschien wie die meisten: "Sage mal, jetzt ne satte Currywurst, oder?"

Der musikalische Teil setzte ein, Hymnen wurden gesungen. Der “besorgte Bürger” mochte Anfang dreißig sein und wirkte eigentlich nicht so, als ob er sich für Politik interessiere. "Nee,  gibt hier keine Curry, wir gehen immer zum Döner. Ist auch lecker." Der Reporter fragte sich, ob sich überhaupt irgendeiner der anwesenden Fremdenfeinde der ausländischen Herkunft von Döner-Kebap bewusst sei.

Dermaßen irritiert schlich er also zum Döner-Imbiss und bestellte den großen Döner-Teller mit viel Fleisch. Und ein Bier. Er bestellte besonders in mutmaßlich moslemischen Läden gerne Alkohol, sein Test zur Weltoffenheit des Wirtes. Allerdings gab es weder EFES noch irgendein anderes türkisches Bier. “Läuft hier nisch” sagte der Mann hinter dem Tresen und gab ihm ein Sternburg. Um die Stimmung in der Ortschaft ein wenig einzufangen - Atmosphäre und so - begann er, den Dönermann zu interviewen: "Und außer ihrem Imbiss gibt es hier nichts weiter?"

Der Dönermann war offensichtlich türkischer Abstammung. Nun, was ist schon offensichtlich, was ist schon türkisch, was ist schon Abstammung? Der Reporter bemerkte also, dass der Imbissmann mit seinen glatten schwarzen Haaren und dem dunkleren Teint einen leichten Akzent hatte. Dönermann antwortete: "Nee, nischts, außer dem Fidschi da drüben!"

Reporter: "Äh, sie meinen das Chinarestaurant?" Zwanghaft erarbeitete er in Gedanken ein Bild von der Entfernung zwischen Shanghai und der zentralen Südsee.

Inzwischen war nach dem Absingen aller Strophen des Deutschlandliedes auch der besorgte Bürger am Imbiss eingetroffen: "Sagt er doch, der Fidschi!" und der Dönermann bekräftigte "Sag isch doch, der Fidschi!"

Der Reporter murmelte "Ich spende Hundert Euro an die Thilo-Sarrazin-Stiftung für debile Rassisten." Sein Regionalzug ging erst in einer Stunde. Er orderte lieber noch ein Bier. Nebenher fragte er den Dönermann "Und - würden sie AfD wählen?"

"Klar! Sind Patrioten!"

"Aber die sind gegen Einwanderer! Die hetzen die ganze Zeit gegen jeden, der nicht von hier kommt!"

Der Dönermann munter "Wieso? Sind Patrioten! Sind gute Leute!"

"Aber haben ihnen die Hetzer nicht kürzlich den Imbisswagen angezündet?"

"Waren Nazis. Sind Arschlöcher!"

Der besorgte Bürger "Wir sind nämlich keine Nazis! Wir wollen bloß keine Ausländer die unsere Frauen vergewaltigen! So Moslems und so! Flüchtlingsmusel!"

Der Dönermann zustimmend "Genau! Muss man sisch mal anschauen, so wie die Frauen hier rumlaufen, da dreht doch jeder Flüschtling dursch!"

Der Reporter hatte inzwischen drei Bier getrunken und ihm war vieles egal. Er murmelte "Noch hundert Euro an die Thilo-Sarrazin-Stiftung für minderhirnige Rassisten."

Der Besorgte Bürger hatte offensichtlich nur das wichtigste verstanden und fragte ganz aufmerksam: "Echt? Die Thilo-Sarrazin-Stiftung? Was macht die denn so?" Reporter resigniert: "Die fördert so Leute wie dich. Musst nur beweisen, dass du anspruchsberechtigt bist. Und schon fördern sie dich."

Und der besorgte Bürger sehr arglos, aber aufmerksam: "Echt! Wie geht das denn?"

Der Reporter wünschte sich nur noch nach Hause. "Na, du musst nur aufschreiben, was ihr heute alles gesungen und gerufen habt. Am besten wörtlich. Und wie gut du dabei warst. Und warum du das machst. Und deine Adresse, die brauchen natürlich deine Adresse, sonst wissen die ja gar nicht, wo sie das Geld hin schicken sollen."

"Geilo! Wie viel kriegt man denn da so?"

"Na, nicht viel, aber so n paar hundert im Monat werdens schon sein."

Das konnte sich am Lohn eines angelernten Bauhandwerkers auf dem Land durchaus messen lassen. "Geilo!"

Zum Glück kam der Zug in wenigen Minuten. Der Reporter zog erschöpft ab. Der besorgte Bürger rief noch "Wie finde ich die denn?" und der Reporter darauf nur "Musst du im Internet kucken! Thilo-Sarrazin-Stiftung! Sorryichmuss..."

Im Regionalzug brauchte er eine halbe Stunde, um wieder zur Besinnung zu kommen, erst die Demo und dann noch das Gespräch am Imbiss... obwohl er in einer Stunde zu Hause sein würde rief er seine Frau an. Sie hatte furchtbare Laune, aber es war ihm alles so egal und er sagte ihr mehrmals, wie sehr er sie liebe.

Das kam so eindringlich und wahrhaftig, dass sich sogar ihre schlechte Laune legte.

Nach dem Telefonat griff sich der Reporter seinen Laptop. Er sicherte sich die Internetadresse "www.thilo-sarrazin-stiftung-fuer-debile-rassisten.de" und eröffnete dazu auch gleich noch einen Facebook-Account.

Er überlegte kurz, ob er die Zugangsdaten zu dem Facebook-Profil direkt dem Verfassungsschutz geben sollte. Dann erinnerte er sich an die Effizienz, die die Verfassungsschützer in den letzten Jahren bewiesen hatten und verknüpfte das Profil lieber mit der Antifa.

Nachdem alles erledigt war schloss er eine Wette mit sich selbst ab. Ein Wette darüber, wie lange es wohl dauern würde, bis es im Internet hieß, die Thilo-Sarrazin-Stiftung sei von der Antifa gehackt worden.

18 Juli 2016

Automatenzweikampf

Der Große Bloguator ™ ist ja auch ein Freund der absurderen Vergnügungen - insbesondere dann, wenn dabei keine Menschen verletzt werden. Oder nur ganz wenige, die selbst schuld sind.

Die BattleBots-Szene gibt es wohl schon ziemlich lange, früher wurde sowas anscheinend auch im deutschen Privatfernsehen zu bester Kinderfernsehzeit übertragen.

Letztlich geht es da doch irgendwie um Zerstörung und um die Freude an sublimierter Gewalt. Hm? Ach, seht selbst:

 

05 Juli 2016

Abbrechen!

"Möchten Sie einen Fehlerbericht an [Datenkrake Ihrer Wahl hier einsetzen]¹ senden?"

Solche Meldungen erhält man als Computer- oder Smartphonenutzer ziemlich häufig. Und sie nerven ganz erheblich. In der Regel möchte man nicht nur keine Fehlerberichte an unbekannte Leute senden - man möchte auch diese penetrante Frage nicht mehrmals täglich gestellt bekommen.

Man kann als Antwort JA oder ABBRECHEN  antippen. Außerdem gibt es eine Box für das Häkchen "DIESE AKTION AB JETZT IMMER DURCHFÜHREN".

Natürlich setzt man das Häkchen und bricht dann aus naheliegenden Gründen ab. Aber *selbstverständlich* wird der Wunsch mit dem Häkchen nur gespeichert, wenn man mit JA antwortet. Sonst nicht - weil: Die Aktion wurde ja abgebrochen, nicht wahr?

Und damit erhält man die penetrante Frage weiterhin mehrmals am Tag. Den IT-Leuten, die sich das ausgedacht haben², wird bis zum jüngsten Tag niemand beibringen können, dass mathematische Logik und sinnvolle Benutzbarkeit nicht immer dasselbe sind.

 

 


¹ falls hier wirklich irgendjemand überlegen muss, beispielsweise: Micro$oft, Google, Apple, Facebook…
² a.k.a. “Grundschüler mit Hochschulabschluss”

29 Juni 2016

Po Esie

Der Große Bloguator™ schätzt es ja, wenn auf seltsamen Umwegen etwas unerwartetes neues entsteht. Hier beispielsweise ein Gedicht, das als Spam verkleidet daherkommt - bemerkt jemand die Anleihe bei TRIOs Riesenhit?


Na, für den Fall dass nicht, habe ich es vorsichtshalber noch einmal verlinkt.

21 Juni 2016

Steampunk Reloaded

Inzwischen ist Steampunk weitgehend zu einer Retro-Hightech-Mode mutiert. Leute laufen in nagelneu geschneiderten Kostümchen aus glänzendem Leder und mit makellos weißen Rüschen herum und bauen Computer oder Digitaluhren in Verkleidungen aus Edelholz und blinkendem Messing ein. Hübsch. Aber irgendwie Kitsch.

Dabei muss man gar nicht allzu genau hinsehen um zu erkennen, dass in dem Begriff einerseits das Wort STEAM drinsteckt - Dampf. Und dann noch PUNK - da kann sich jeder eine Bedeutung aussuchen.

Hier kommt ein junger russischer Bastler¹, der eine Art Motorrad mit Dampfmaschine reitet: Augenscheinlich ist das Teil vollständig aus Schrott zusammengedengelt und wirkt wunderbar aus der Zeit gefallen:

Und beim Betrieb mit Kohle bekommt das Wort Rußland gleich einen ganz anderen Klang.

Sorry für den Kalauer.

17 Juni 2016

Ma’agalim

Oah, das hier is hübsch! Ihr wolltet doch sicher schon lange wieder einmal einen Film sehen, oder? Sowas findet man im Internet sonst ja kaum.

Es handelt sich natürlich, wie fast immer hier im Blog, um Lebenshilfe: Wenn deine Welt das Innere eines uralten Spielautomaten sein sollte, erlebst du vielleicht dieses (Vollbild anmachen!):

@ kam über The Kid Should See This und vimeo.

Zur Pflege aller Widersprüche noch diese Informationen: Die Band aus Tel Aviv heißt Jane Bordeaux und der Regisseur Uri Lotan.

06 Juni 2016

Zurückhaben

Hier kommt mal wieder was kuhles: Musik hatten wir schon lange nicht mehr, hier im Blog.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an einen süßen kleinen schwarzen Jungen namens Michael Jackson, der dann später zu einer vampirhaften weißen Frau mutierte? “Also: Nichts gegen Vampire - einige meiner besten Freunde sind …”  … ach, nee, das ist eine ganz andere Baustelle. Schade. Na gut.

Jener besagte M. Jackson performte als Elfjähriger mit seinen vier großen Brüdern im Hintergrund das mitreißende Liebeslied I want you back - warum auch immer² (Original hier).

Hm. Wo wollte ich nochmal hin  mit dieser umständlichen Anmoderation? Ach, egal, also die hier machen das ganz anders - aber auch ganz gut:

LAKE STREET DIVE

 

 

 


¹ warumauchimmer ein Elfjähriger Liebeslieder singen sollte … warumauchimmer ein Elfjähriger der Frontman ist und seine vier (!) großen Brüder im Hintergrund nur die Deko abgeben: Warumauchimmer deshalb.

² falls es irgendjemand aufgefallen sein sollte: Hier im Blog ist nicht nur die Interpunktion traditionell intuitiv - auch die Groß-/Kleinschreibung wird immer innovativer... im Sinne der Überwindung herkömmlicher Rechtschreibregeln. Der Große Bloguator™ ist von dieser Entwicklung noch nicht sehr überzeugt, weiß allerdings akut auch kein Gegenmittel.

02 Juni 2016

Zahlenrätsel

Der geschätzte Mark Benecke, "Herr der Maden", machte neulich wieder auf einen der Spaßnobelpreise aufmerksam. In diesem Fall ging es um die Beobachtung, dass so ziemlich alle Tiere der Welt ihre Blase in 23 Sekunden entleeren. Sofern sie eine Blase haben natürlich. Ach so: Säugetiere! Plus minus 13 Sekunden.

Etwa so stellte er es dar, im Spaß selbstverständlich. Maus wie Elefant, 23 Sekunden. Mit ganz unterschiedlicher "Uriniertechnologie", 0,1 Milliliter oder 2 Hektoliter - immer 23 Sekunden.

So wurde im Spaß und mit kalkuliertem Schockeffekt - Fäkalien! - ein mathematisch-naturwissenschaftliches Thema behandelt, auf das die breite Masse sicher neugierig sein wird.

"Wusstest du schon, dass alle Tiere zum Urinieren genau 23 Sekunden brauchen?"

Manche Leute halten so etwas für Herrschaftswissen. Mark Benecke und den Spaßforschern ist schon klar, dass es sich nicht so verhält, aber das müssen sie doch nicht jedes mal ausdrücklich dazu sagen. "So haben sie es aber im Radio gesagt!" Oder im Fernsehen, oder es stand so in der Zeitung. Wenn eine spektakuläre Behauptung einmal den Weg in die Medien gefunden hat, wird sie allein dadurch wahr. Also: "... für wahr gehalten..."

Was den allerwenigsten Zuhörern auffällt, außer dass es sich bei Kenntnissen im Urinieren sicher nicht um Herrschaftswissen handelt, sind einige andere Feinheiten.

Fangen wir doch bei den Zahlen an. Es gibt hier nämlich eine ziemlich große Spreizung. Mit "23 Sekunden" wird ein Durchschnitt benannt, tatsächlich handelt es sich um die Spanne von 13 bis 36 Sekunden. Oder umgerechnet 100 bis 270 Prozent. Klingt schon weniger nach sinnvoller Durchschnittsbildung, oder?

In den Medienberichten weden gerne auch die besonderen Extreme und Ausnahmen weggelassen, oder von besonders debilen Lehrern wird behauptet, dass Ausnahmen irgendeine Regel bestätigen. Tun sie nicht: Ausnahmen bestätigen ihre Ausnahmen. Sie existieren - oder nicht. Man kann sie "Ausreißer" nennen. Aber sie passen eben nicht ins Bild und man muss sie dennoch berücksichtigen. Verschweigen ist dann immer eine ganz schlechte Idee. Wird aber gern gemacht.

Was also bleibt ist, dass alle Tiere ihre Stoffwechselprodukte irgendwie wieder entsorgen müssen. In flüssiger Form kann man das "Urinieren" nennen. Weil man einen einheitlichen Begriff dafür verwendet, ist es aber noch lange nicht sinnvoll, einen Durchschnitt darüber zu bilden.

Solche irreführenden Zahlenspiele werden gern "Statistik" genannt. Es gibt den Aphorismus von Churchill zu den gefälschten Statistiken. Dennoch werden diese Zahlenbeispiele ständig herangezogen, um im richtigen Leben Menschen zu überzeugen.

Beispielsweise fordern gewisse deutsche Parteien andauernd Steuererhöhungen. "Der Spitzensteuersatz muss angehoben werden!" Nur vergessen sie zu erwähnen, dass den Spitzensteuersatz gerade wegen ihrer Politik gar niemand bezahlt, sondern jeder Spitzenverdiener sein Geld lieber in Steuersparmodellen anlegt.

Die anderen sichern sich mit ähnlichen Zahlenspielen das Überleben: "Die Steuern sind viel zu hoch!" klingt natürlich prima. Denn die, die den Spitzensteuersatz gar nicht zahlen, würden gerne noch mehr Steuern sparen. Und alle zusammen meinen, dass es auf jeden Fall besser wäre, wenn schon jemand Steuern bezahlen muss, dann doch bitte die anderen. Man sieht: Die Zahlen stimmen, nur der Zusammenhang ist gänzlich aus der Luft gegriffen.

Auf diesem Umweg wird die Irreführung mit Scheinstatistiken doch noch zum Herrschaftswissen.



Zum Vergleich auch hier: Verrückte Korrelationen

20 Mai 2016

Pfand gehört

“Pfand gehört daneben”

Welcher Vollidiot hat sich eigentlich diesen Slogan ausgedacht? Pfand gehört gar nicht “daneben”, sondern zurück in den Laden und von dort zum Abfüller.

Wer ist überhaupt vorher auf die Idee gekommen, leere Pfandflaschen gehörten vielleicht in den Mülleimer? Da fragt man sich, ob es am allgemeinen deutschen Bildungsnotstand der Gegenwart liegt? Schließlich wird hier das, was ein Günther Öttinger und Edmund Stoiber kauderwelschen, auch großzügig “Englisch” genannt. Und Pfand ist anscheinend ebenfalls ein Fremdwort.

Der Pfand-Slogan ist derzeit in Kreuzberg und Friedrichshain allgegenwärtig, wo zur Grundausstattung des zugezogenen Muttersöhnchens beim Flanieren auf jeden Fall die geöffnete Flasche Bier in der Hand gehört. Die Vollpfosten sind entweder zu bequem oder schlicht zu dämlich, die leeren Flaschen zurück zum Verkäufer zu tragen. Oder in jeden anderen Späti am Weg, der ebenfalls offen hat.

Stattdessen lassen sie die zum Restmüll gewordene Mehrwegverpackung am Wegrand stehen. Genau wie zu Hause bei Mutti kommt hier nämlich irgendwann jemand, der sie wegräumt. Die schöne Entschuldigung lautet: “So verdienen die armen Leute noch ein wenig Geld!” Immerhin, zu Hause bei Mutti konnte das verwöhnte Söhnchen das nicht behaupten.

Die reichen Söhnchen haben es auch nicht nötig, auf den Preis zu achten. Das Späti-Bier kostet selbst mit Pfand weniger als die Hälfte vom Wirtshaus oder Club-Ausschank. Also wirft man die leere Flasche halt weg, stört ja nur.

Wohin das führt, kann man sehr gut am Karneval der Kulturen sehen, der eigentlich perfekt organisiert ist. Dort sind zwar zahlreiche Flaschensammler aktiv, aber die schaffen auch nicht alles weg und wenn ihr Lager voll Leergut ist müssen sie aufhören.

Eine Flasche, die lange genug in der Menge herumliegt, geht zu Bruch. Beim Karneval fliegen deshalb sowieso immer schon Scherben herum. Im letzten Jahr, 2015, als es beim Umzug besonders heiß war, hinterließen tausende Pfandgehörtdaneben-Trottel tonnenweise zerbrochenes Glas. Etwa alle 50m gab es am Abend einen meterhohen Haufen, der jeweils aus mehreren Kubikmetern Glasscherben bestand.

Für die Scherben interessiert sich kein Flaschensammler und zum Teil müssen sie mühsam mit der Hand aus den Sträuchern und Grünanlagen gepflückt werden. Glücklicherweise können sich die Muttersöhnchen in der Metropole auf die Stadtreinigung verlassen, die fast genauso zuverlässig aufräumt wie Mutti zu Hause in der Provinz.

Hm? Nein nein, alles kein Gerücht. Kleine Anekdote aus eigenem Erleben: Ich war etwa zwölf und bei den Nachbarsjungs zu Besuch. Ein Bonbonpapierchen blieb übrig, ich frage also “Wo soll ichn das hintun? Wo isn der Papierkorb?” Und der älteste Nachbarsjunge “Ach, lass fallen, unsere Mutter räumt das dann weg.”

Damals verschlug es mir die Sprache - meine Mutter räumte auch viel weg, aber ich fand das nie selbstverständlich. Der Nachbarsjunge muss dann wohl die Pfandgehörtdaneben-Bewegung gegründet haben.

18 Mai 2016

Kunst und Kaffee

Wenn man als Großer Bloguator™ irgendetwas hasst - IRGENDETWAS - dann, dass die Welt sich ändert. Es könnte doch alles beim alten bleiben. Und jeder würde sich sofort zurecht finden! “Besser” wird es ohnehin nicht - für jeden Umstand, der irgendwo auf der Welt besser wird, verändert sich etwas anderes zum schlechteren, es ist zum....!

... ähm, wo war ich? Ah ja, da:

Der Große Bloguator™ trinkt seit zehn Jahren dieselbe Sorte Kaffee¹. Dieser kommt von einem Biohersteller und ist nicht überall zu haben. Auch in den wenigsten Bioläden. Dafür aber bei einer verbreiteten Drogeriemarkt-Kette. Eine Filiale dieser Kette findet man in Berlin in der Regel im Umkreis von fünfhundert Metern.

... ja ja, 'Fairer Handel' vs. 'Biozeugs' vs. 'Drogeriemarkt', ja ja ja!

Nun kam der große Bio-Hersteller jüngst auf die Idee, sein Zeugs in eigenen Geschäften zu verkaufen, anstatt andere damit zu beliefern. Leider auch den bevorzugten Kaffee des Großen Bloguators™. Und von den Geschäften gibt es bislang noch kaum welche. Naja, wird vielleicht noch. ABER! Wir befinden uns ja in Berlin - in der Hauptstadt des Universums²!

Es gibt daher so ein Geschäft in kaum etwa 1.200m Abstand von der Wohnung des Großen Bloguators™. Nur: Es liegt in der ganz falschen Richtung!!!

… an dieser Stelle des Berichts wird dem Großen Bloguator™ klar, dass jetzt irgendwo allmählich einmal eine Pointe kommen sollte. Deshalb beschließt er, an seiner 'Großen Theorie der pointenlosen Kunst³' weiterzuarbeiten und notiert ein neues Konzept über die besondere Berücksichtigung von Beuys, Koons, Handke und diCaprio. Setzt sich aufs Rad und fährt ins Geschäft mit dem Kaffee.

 

 


¹ oder geht zur Kiezrösterei, ja ja
² … gefühlt.

02 Mai 2016

Beweis

Der Host¹ dieses Blogs beliebt Kommentatoren zu prüfen:  
“Beweisen Sie, dass sie kein Roboter sind!”
Wenn man das zum ersten mal sieht, zuckt man zusammen und fragt sich, wie das gehen soll - also: Im Rahmen des weltweiten Internets, wo besser der Host beweisen sollte, dass er kein Roboter ist.

Und dann kommt die Frage:


Die Grafik wurde in der Originalgröße belassen. Hm, erkennt jemand in der obersten Reihe die Busse im Hintergrund? Ich auch nicht.

Früher waren es ja immer die Captchas mit dem verschwommenen Text, dem Text, der so verschwommen war, dass man 15 mal ein neues brauchte, bis endlich ein lesbares dabei war. Für das menschliche Auge lesbar. Inzwischen haben wir diese Fotoauswahl.

Dass es keine Captchas mehr gibt, lässt vermuten, dass irgendjemand dieses Verfahren inzwischen geknackt hat. Das wiederum lässt genug Raum für die Vorstellung, dass es Sicherheitsabfragen gibt, bei denen zwar Roboter beweisen können, dass sie keine Roboter sind - Menschen aber nicht.

Also: Wenn schon jemand die Besucher dieses Blogs prüfen will, dann bitte mit einem Test, den auch ein denkender Mensch besteht! Also beispielsweise mit eindeutigen Fotos.

Und jetzt nochmal für die Grundschüler mit Hochschulabschluss, die es inzwischen zu Hauf zu geben scheint: *Eindeutig* heißt, dass nicht nur der Fotograf weiß, was abgebildet ist, sondern dass auch der zwangsgeprüfte Besucher zweifelsfrei erkennt, ob da ein Bus drauf ist. Oder nicht.

 

 


¹ d.h. “der Gastgeber”, im modernen Zeitalter: Der Zurverfügungsteller der digitalen Infrastruktur. Im hiesigen Fall ein aufstrebendes kleines Unternehmen namens Google.

29 April 2016

Gerätschaft aktuell

Der Große Bloguator™ baut ja auch gerne Sachen. Oder noch viel lieber: ...benutzt fertige Gerätschaften so, wie sie garantiert nie gedacht waren. Allerdings ist er darin ein blutiger Anfänger, verglichen mit einem Genie wie diesem hier.

Der fertigt aus zwei Rasenmähermotoren, viel Geduld und etwas Aluminium ein Hoverbike. Hm? Genau: Ein Flugmotorrad!

Whoaaa! Das geniale an dem Teil ist, dass es so simpel aufgebaut ist. Das würde in Serienfertigung weniger kosten als gängige konventionelle Motorräder.

Achtung: Vor dem Anschauen die Lautstärke runterregeln - die Geräuschkulisse sowohl des Erfinders wie auch seines Fluggeräts ist ganz schön nervig. Aber da könnte ein Ingenieur noch dran arbeiten.

Kam über HEISE/make, wo der geniale Erfinder Colin Furze¹ doch tatsächlich als Chaos-Bastler bezeichnet wird. Das ist respektlos!

Es gibt auch ein Making-Of dazu.

 

 

 


¹ jaja, selbstverständlich: Ich kann mich über den Namen dieses Ingenieurs auch beömmeln!

21 April 2016

Stabile Preise

man muss doch auch einmal etwas gutes berichten


Inflation? Von wegen! Bei der Durchsicht eines älteren Berichtes im Blog zeigte sich: Der Hersteller des  JL421 Badonkadonk Land Cruiser wendet sich ab vom hysterischen Preiserhöhungsgebaren unserer zeitgenössischen Kaufleute.


Da alle Beschäftigten der Fabrik von den Erlösen aus dem Verkauf des Fahrzeugs sehr gut leben können, hat der Hersteller seit dem Jahr 2007 auf eine Preiserhöhung verzichtet.

So bleibt ihm auch erspart, sich euphemistische Begriffe wie Preis”anpassung” oder Preis”korrektur” ausdenken zu müssen und sie ohne zu lachen seiner Kundschaft vorzutragen.

Stattdessen stellt er auf AMAZON ein für alle mal klar:  
“Dieses Fahrzeug kostet 19.999,95$ und der Versand noch einmal 654,49$ obendrauf. Punkt.”
Was er nicht erwähnt, weil es sich ja doch von selbst versteht: Den Salzsee für die Probefahrt sollte man bereits besitzen.

20 April 2016

Leistung

Hier wird mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielt. Ein Geländewagen wird mit der russischen Methode vom Grund des Baikalsees gehoben:

Wie das Auto da hin gekommen ist wird leider nicht erklärt.

via Englishrussia

19 April 2016

Sein Name ist Tom Thum

Auf dem Weg über den Zeichner Ralf Ruthe und Twitter bin ich auf diesen Menschen hier gestoßen, und die Aufnahme ist zufällig aus dem Astra in Berlin:

Beachte daher auch dieses hier, der ursprünglich von Ruthe verlinkte Auftritt: Ratchet Face - Tom Thum and Queensland Symphony Orchestra

Beachte daher außerdem Power of Rausch ∙ Oliver Koletzki ∙ Nagel ∙ hr-Sinfonieorchester ∙ John Axelrod

kostenloser Counter